Probleme eines monolithischen Systems
Die Deutsche Telekom IT GmbH ist der interne IT-Dienstleister der Deutschen Telekom AG. Die GmbH beschäftigt rund 9.700 Mitarbeitende weltweit und verfügt über ein Gesamtbudget von rund 1,9 Milliarden Euro. Sie ist verantwortlich für die Konzeption, die Entwicklung und den Betrieb aller eigenen und übertragenen IT-Systeme und unterstützt so die Geschäftsprozesse der Deutschen Telekom und ihrer Tochtergesellschaften.
Im Jahr 2007 führte die Deutsche Telekom IT für den Aufbau und die Ausführung ihrer Geschäftsprozesse eine Oracle BPEL-Engine ein. Dieses monolithische System verursachte jedoch eine Reihe von Problemen, die sowohl das operative Geschäft als auch die Benutzererfahrung beeinträchtigten:
„Wir müssen zeitnah agieren und können nicht sieben Tage warten, um eine Bestellung zu bearbeiten oder um auf eine Anfrage zu antworten. Wir müssen immer vorausdenken und verantwortungsbewusst handeln“, erklärte Willm Tüting, Managing Director der conology GmbH, der seit über 10 Jahren mit der Deutschen Telekom IT zusammenarbeitet.
Nach 10 Jahren mit diesem monolithischen System unternahm die Deutsche Telekom IT im Jahr 2017 die ersten Schritte zur Modernisierung ihrer Prozesse, indem sie einen agileren Entwicklungsansatz einführte und in dreimonatigen Sprints arbeitete. „Wir haben mehrere Prozesse entwickelt, um kleine Korrekturen schneller bereitzustellen, aber das trug zur Komplexität bei“, sagte Willm Tüting. Alle Fixes mussten zusammen mit größeren Änderungsanforderungen bereitgestellt werden, was zahlreiche Personenstunden in Anspruch nahm. Darüber hinaus hatte die Organisation immer noch mit dem monolithischen BPEL-System zu kämpfen, das keine echte Agilität zuließ.
Grundlagen für Veränderungen schaffen
Im Jahr 2017 begann die Deutsche Telekom, in Glasfaserkabel zu investieren, um die Benutzererfahrung zu verbessern. Mit diesem bedeutenden Hardware-Upgrade ergab sich die Gelegenheit, die veralteten Systeme zu revolutionieren. Das Ergebnis war eine komplette Änderung sowohl des Betriebssystems als auch des DevOps-Ansatzes, der von drei Zielen geleitet wurde:
Vom Monolithen zu Microservices in der Cloud
Mit diesen drei Zielen vor Augen implementierte die Deutsche Telekom IT eine Microservices-basierte Architektur in der Cloud, wobei die Camunda-Engines innerhalb vieler Microservices laufen. Laut Friedbert Samland, Project Manager IT Application, Deutsche Telekom IT, besteht das neue System aus den folgenden Komponenten:
Camunda als Game Changer
Einer der größten Vorteile des Einsatzes von Camunda bei der Deutschen Telekom IT ist die Ermöglichung von „Compliance-by-Default“. Als global verteiltes Unternehmen mit Teams, die weltweit mit verschiedenen Anbietern und vertraulichen Daten arbeiten, war eine hochautomatisierte Lösung erforderlich. Die resultierende Architektur gewährleistet Datensicherheit.
Neben der Unterstützung und Umsetzung einer hochflexiblen DevOps-Philosophie hat Camunda die Deutsche Telekom IT in die Lage versetzt, komplexe Logik an einem Ort zu visualisieren, manuelle und automatisierte Aufgaben einfach aufeinander abzustimmen und die gleiche BPMN-Sprache für Fachabteilungen und IT zu verwenden.
Für diejenigen, die in die Fußstapfen der Deutsche Telekom IT treten möchten, hat Willm Tüting einen weisen Rat: „Wählen Sie Ihren Stack mit Bedacht. Beginnen Sie nicht mit einem kompletten Stack, sondern wählen Sie die Komponenten aus, die Ihnen den größten Nutzen bringen. Setzen Sie sich große Ziele, aber fangen Sie klein an. Versuchen Sie nicht, den heiligen Gral auf Anhieb zu erreichen – gehen Sie einfach auf Ihr Ziel zu.“
Verbesserte robotergesteuerte Prozessautomatisierung dank Prozessorchestrierung
Nach der Transformation des monolithischen Systems führte die Deutsche Telekom mehrere RPA-Tools zur Automatisierung von Aufgaben im Kundenservice ein. Dies entwickelte sich schnell zu einer der größten RPA-Implementierungen in ganz Europa. Bis 2020 waren ca. 3.000 Bots im Einsatz.
Die robotergesteuerte Prozessautomatisierung ermöglichte durch die Automatisierung sich wiederholender manueller Aufgaben zunächst erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis das komplexe Management der Umgebung zur Herausforderung wurde. Die hohen Wartungskosten für Bots beispielsweise machten die ursprünglichen Einsparungen schnell zunichte. Darüber hinaus beeinträchtigten die durch die isolierten RPA-Bots durchgeführten automatisierten Aufgaben die Transparenz der End-to-End-Geschäftsprozesse.
Mit Camunda als Basis für seine Prozessorchestrierung konnte die Deutsche Telekom die Transparenz verbessern und die Wartungskosten für Bots reduzieren. Durch das Hinzufügen einer Prozessebene über den Bots konnte das IT-Team APIs entwickeln, die einzelne RPA-Bots ersetzen. Das Ergebnis ist eine robustere und zukunftssichere Lösung für die Aufgabenautomatisierung.